Auszubildende in der Pflege

Unsere Auszubildenden aus Bosnien-Herzegowina im Interview

 

Seit dem 01.03.2019 lernen bei uns in der Heimbetriebsgesellschaft insgesamt 8 Auszubildende aus Bosnien-Herzegowina den Beruf des Altenpflegers/der Altenpflegerin. Mit ihrem großen Interesse am Pflegeberuf, ihrem Fleiß und Engagement in der Ausbildung dahin sowie ihren offenen freundlichen Persönlichkeiten bereichern sie nicht nur den Alltag der Bewohner in den Einrichtungen, sondern auch ihrer Mitarbeiterteams. Grund genug, einige von ihnen einmal in den Fokus zu rücken und in einem kleinen Interview persönlich vorzustellen.

Auszubildender in der Altenpflege

Interview mit Herrn Ahmetovic

 

Herr Ahmetovic, sie erlernen den Beruf des Altenpflegers in Deutschland. Warum haben sie sich dazu entschlossen?

Ich habe in Bosnien bereits eine Ausbildung zum Fahrdienstleiter für Eisenbahnverkehr gemacht. Mein Heimatland bietet aber wenig berufliche Perspektiven und so wollte ich etwas Neues ausprobieren. Mit einem Freund bin ich nach Deutschland gekommen und habe in Stuttgart gelebt. Deutschland kannte ich schon etwas, da mein Vater auch hier lebt. Als mein Freund berufsbedingt von Stuttgart nach Gera zog, bin ich mit ihm gegangen und habe mir dann in Gera diese Ausbildung gesucht. Dennoch waren die ersten Tage in Gera für mich schwierig. Ein Lehrer meiner Pflegeschule hat sich mit mir zusammen meine Ausbildungseinrichtung angeschaut, das hat mir schon geholfen, mich einzuleben.

Wie kommen sie mit der deutschen Sprache zurecht?

Ich habe mir die Sprache selbst beigebracht und spreche und verstehe sie inzwischen gut.

Haben sie Heimweh und was hilft ihnen dagegen?

Ich habe aus meiner Heimat keine Erinnerungsstücke oder Andenken mit nach Deutschland gebracht. Mir ist es wichtig, immer wieder einmal nach Hause fahren zu können, das hilft mir gegen das Heimweh und auch, wie ich schon sagte, dass mein Vater ebenfalls in Deutschland lebt. Auch in den Sommerferien dieses Jahr reise ich wieder nach Bosnien. Aber ich fühle mich hier in meiner Ausbildungseinrichtung gut aufgenommen und in das Team integriert, das hilft mir auch gegen Heimweh. Inzwischen kann ich sagen, über meine Ausbildung auch viele neue Leute kennengelernt und Freunde gefunden zu haben.

Schule oder Praxis, was gefällt ihnen besser?

Ich bin lieber in der Praxis als in der Schule. Das hat sich auch durch die Corona-Pandemie nicht geändert. Online-Unterricht hat mir nicht gut gefallen und ich sehe darin auch keinen merkbaren Lerneffekt. Die Einschränkungen und geltenden Pandemiebestimmungen in meiner Einrichtung habe ich dagegen als normal und wichtig in der Umsetzung empfunden.

Haben sie schon mit den Prüfungsvorbereitungen begonnen?

In der Schule hatten wir eine Zwischenprüfung und konnten dabei schon einmal Prüfungsluft schnuppern. In der Praxis werde ich durch meine Praxisanleitung auf die Prüfung vorbereitet. Aktuell übernehme ich viele Aufgaben aus der Behandlungspflege, um mich darin gezielt vorbereiten zu können.

Welche Zukunftspläne haben sie nach ihrer Ausbildung?

Ich möchte in Deutschland bleiben und im Pflegeberuf arbeiten. Wenn ich mich irgendwann einmal als Pflegefachkraft weiter qualifizieren kann, möchte ich diese Möglichkeit gerne nutzen.

Haben sie ein Lieblingsessen in ihrer Heimat und hier in Deutschland?

Aus und in meiner Heimat esse ich am liebsten Cevapcici aber die deutsche Currywurst ist auch nicht schlecht.

 

Herrn Ahmetovic steht demnächst ein operativer Eingriff bevor, der bedingt, dass er mit seiner Ausbildung pausieren muss.

Wir möchten trotzdem das mit ihm geführte Interview über seine Ausbildung, über sein Leben in Deutschland und seine Zukunftspläne veröffentlichen, weil wir Herrn Ahmetovic sehr schätzen und schon jetzt vermissen. Vielleicht motiviert es ihn zusätzlich, um schnell wieder gesund zu werden und seine Ausbildung fortzusetzen. Wir freuen uns auf jeden Fall schon heute auf den Moment, wo er äußern kann, dass es ihm wieder gut geht.

Wir wünschen ihm bis dahin gute Besserung und alles erdenklich Gute.
 

Das Interview wurde geführt von M. Schade (Hauptamtliche Praxisanleiterin), Gera, 23.08.2021

Auszubildender in der Altenpflege

Interview mit Herrn Talic

 

Herr Talic, wie sind sie zum Berufswunsch, Altenpfleger zu werden, gekommen?

Ich bin im Internet auf diesen Beruf aufmerksam geworden. Eigentlich interessiert mich Medizin schon immer und ich wollte ursprünglich einmal Pathologie studieren. Nach einem Jurastudium in meinem Heimatland bin ich nun durch den Pflegeberuf wieder der Medizin nah.

Warum haben sie sich für eine Ausbildung in Deutschland entschieden?

Meine Vorfahren haben schon in Deutschland gearbeitet. Ich selbst wollte mir auch in Deutschland oder Österreich meine Zukunft aufbauen. Zu Ausbildungsbeginn hier in Deutschland war ich 30 Jahre alt. Ich habe noch Kontakt zu Familie und Freunden in Bosnien, habe sie seit meinem Weggang 1-2 Mal gesehen. Ich habe kein Heimweh, ich habe mich bewusst dazu entschieden hierleben und bleiben zu wollen.

War die deutsche Sprache schwierig für sie, stellte sie eine Barriere für sie dar?

Ich bin mit der Meinung hergekommen, mein Deutsch ist gut, ich verstehe die Sprache gut und ich werde verstanden. Dann bin ich in meinen ersten Praxistagen mit demenzkranken Bewohnern konfrontiert wurden und diese haben mich nicht verstanden und ich sie auch nicht, das ließ mich schon zweifeln. Meine Teamkollegen haben mich dann aufgefangen und heute weiß ich, dass Demenz das Sprachverständnis und das Sprechen selbst stark verändern kann. Meine Muttersprache spreche ich manchmal unter Freunden bzw. mit meinen Mitschülern noch.

Wenn sie auf ihre Ausbildung zurückblicken, haben sich ihre Vorstellungen davon erfüllt, was hat ihnen daran gefallen, was war für sie eher schwierig?

Meine Vorstellungen haben sich komplett erfüllt. Mich hat nur überrascht, wie viele Pflegebedürftige und speziell Demenzkranke es gibt. Ich habe gerne Kontakt zu Menschen und finde mich in diesem Berufsbild daher besonders wieder. Mit den Bewohnern kommuniziere ich gerne und auch der Austausch im Team macht mir Freude, auch die Versorgung von Wunden gehört unbedingt dazu. Ich habe in meiner Ausbildung auch ein Praktikum in der ambulanten Versorgung gemacht und ich muss sagen, ich fühle mich in der stationären Pflege mehr angekommen. Was auch sehr positiv für mich war, ist, dass ich von Anfang an hier in der Einrichtung voll akzeptiert wurde.

Bald stehen die Sommerferien vor der Tür, was planen sie da?

Ich werde erst zu meiner Familie nach Bosnien reisen und dann noch etwas Urlaub in Montenegro machen. Dann folgt der letzte Ausbildungsabschnitt mit den Prüfungen. Generell habe ich davor keine Angst, aber vor der praktischen Prüfung habe ich Respekt.

Wie geht es nach der Ausbildung für sie weiter?

Mein Ziel ist es zunächst, die Prüfung zu schaffen. Danach möchte ich auf jeden Fall in Deutschland bleiben und in diesem Beruf weiterarbeiten. Ich weiß, dass die HBG ihren Mitarbeitern viele Chancen bietet, sich weiter zu qualifizieren. Das wäre auf jeden Fall für mich auch interessant. Mich hat aber auch das Interesse an Psychologie gepackt durch die gerontopsychiatrische Ausrichtung meiner Praxiseinrichtung, vielleicht werde ich irgendwann noch einmal Psychologiestudent…
 

Das Interview wurde geführt von M. Schade (Hauptamtliche Praxisanleiterin), Gera, 30.07.2021

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